Hallo Welt (025)

Wiegendes Nest!

 

Schön euch wieder zu sehen. Die Ruhe hat mir zwar ganz gut getan, aber auf Dauer wäre das nichts für mich. Ich bin halt kommunikativ, so ganz im Gegensatz zu den meisten von euch Lurchzungen!

 

Meine Umfrage ignoriert ihr ja nach wie vor fleißig und wahrscheinlich habt ihr auch noch immer nicht das Buch über unser Tal gelesen. Ansonsten könntet ihr ja sagen, welches Kapitel euch am besten gefallen hat, wenn ihr keine totalen Blindwichtel seid! Oder ihr könnt nicht zum nächsten Buchnest fliegen, weil ihr dazu zu klein oder zu ungeschickt seid!

 

Ich erzähle das nur, weil meine Amselnachrichten bei euch sehr viel gelesen werden. Folglich scheint euch ja unser Tal und die Geschehnisse hier auch irgendwie zu interessieren. Aber wenn ich mal voraussetze, dass ihr keine Eier mehr seid, glaube ich, dass ich solche wie euch kenne. Diese Gestalten sitzen bei uns unter den Federn und trinken unser Blut!

 

Nein das sind keine Schlauwichtel, bei uns werden sie Parasiten genannt!

 

Da sich aber alle im Tal auf mich und meine Berichterstattung verlassen, werde ich natürlich weiter machen – aber ich überlege mir ernsthaft, ob ich dafür jedes Mal zum Schickerbaum fliegen muss. Ich könnte es ja auch wie früher machen und zu jedem Einzelnen im Tal fliegen – das finde ich auch irgendwie persönlicher, findet ihr nicht auch?

 

Vielleicht macht dann ja auch Ragui für mich weiter. Dieser missgünstige Hahn hat das ja sowieso schon das eine oder andere Mal versucht. Natürlich ohne großen Erfolg, duk duk duk, wie ich mit einiger Schadenfreude sagen muss, obwohl ich nicht dazu neige!

 

Das kommt eben daher, wenn man es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, und dieser müffelnde Hahn lügt wirklich so, dass schon die Haubentaucher deswegen ihren Kopf unter Wasser halten müssen. Jedoch glaube ich, dass ich euch schon mal etwas Ähnliches erzählt habe, aber die Gedanken an Ragui bringen mich halt immer an den Rand der Mauser! Jedoch ich habe mich wieder zu spontanen Gefühlsausbrüchen verleiten lassen, eigentlich waren wir ja da stehen geblieben, als Tari und ich gemeinsam mit dem Blatt – welches mit den Beeren beladen war – zu seinem neuen Heimbaum geflogen waren.

 

Es stellte sich heraus, dass Tari sich eine Esche auserwählt hatte, was in meinen Augen eine kluge Wahl war. Deren Holz war nicht nur besonders fest, es zeichnete sich auch durch besondere Biegsamkeit aus. Das bedeutete, dass sie wahrscheinlich nicht bei einem starken Sturm entwurzelt werden würde. Außerdem würde sich die darin befindliche Behausung immer sanft bewegen, was sehr beruhigend auf den dort aufwachsenden Nachwuchs wirken würde. Das war übrigens auch der Grund dafür, dass wir Amseln gerne in Sträuchern unser Nest bauten. Mehr schaukeln, ruhigerer Nachwuchs – so einfach ist das!

 

Schade wäre nur, dachte ich weiter, dass Zutzut sich im kommenden Jahr erneut eine neue Behausung wünschen würde, und Tari ihr diesen Wunsch mit Sicherheit erfüllte. Uns zufrieden zu stellen ist oftmals nicht so einfach gebe ich zu, aber wir legen ja schließlich auch die Eier und müssen im Nest bleiben! Was ist dagegen schon ein wenig Arbeit an der frischen Luft?

 

Jedenfalls hatte er die Behausung unterhalb der Baumkrone in den Stamm geschlagen. In der Krone waren wir dann auch gelandet, da es einfacher war, dort das Blatt abzulegen. Zutzut kam dann auch sofort zu uns geflogen, da der Kleine der beiden schon eingeschlafen war. Von der Astgabel aus, konnte sie immer ein Auge auf ihre Behausung werfen und gleichzeitig hatte sie etwas frische Luft um ihren Schnabel.

 

Es kann im Nest manchmal schon ganz schön müffeln, auch wenn man noch so oft den Abfall hinausbringt. Was aber einfach daran liegt, dass die Kleinen sich natürlich noch nicht waschen können, und es darin ziemlich warm sein muss, da die Kleinen ja noch keine Federn haben. Ihr versteht doch? Dung und Wärme ergeben halt keinen angenehmen Duft!

 

Aber so ist das nun mal, da muss man durch, da hilft auch kein wehleidiges Piepen!

 

Auf alle Fälle saßen wir zusammen in der nun milden Abendluft, pickten an den mitgebrachten Beeren und unterhielten uns über alles Mögliche. Dazu lauschten wir den Wassertropfen, die noch vereinzelt aus dem Dach des Baumes herabtropften. Irgendwann einmal flog Zutzut dann wieder zurück in die Behausung, um es darin wieder wärmer für das Kleine zu machen, sowie um auch dort zu schlafen.

 

Tari und ich verbrachten die Nacht auf dem Ast, auf dem wir hockten und breiteten dort unsere Schlafflügel über unseren jeweiligen Köpfen aus. Wir schliefen auch ziemlich schnell ein, was ihr jetzt im Übrigen auch machen solltet.

 

Federleichte Träume, Tralala und bis morgen.

 

F. Platsch

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