Hallo Welt (018)

Hektische Robitit!

 

Gestern, unmittelbar nach meinem Flöt an euch, habe ich den Walnussbaum verlassen. Fliegen hilft mir immer dabei, die Überbleibsel beunruhigender nächtlicher Träume aus meinem Kopf zu bekommen – vermutlich wegen der damit verbundenen körperlichen Anstrengung.

 

Unterwegs traf ich auf Robitit, die Haubenmeise, die ich wirklich sehr gut leiden kann – was aber nicht heißen soll, dass sie mich nicht häufiger an den Rand der Mauser bringt. Ihr wisst schon, das ist wenn wir Vögel unser Federkleid wechseln, was immer fürchterlich nervt. Der Grund, warum sie bei mir dieses Gefühl heraufbeschwört ist, dass sie fast immer einen Satz anfängt, dann einen vollkommen anderen dazwischen schiebt und unmittelbar darauf zum nächsten springt!

 

Natürlich macht sie das, ohne ihren ursprünglichen Satz zu beenden und ohne das dieser in irgendeiner Form etwas mit den vorangehenden zu tun hätte. Der krönende Abschluss ist dann, wenn sie sich hilflos auf halber Strecke in ihrem eigenen Wortgeflecht verliert und sie dann von den Anwesenden erfahren möchte, was sie denn eigentlich hatte sagen wollen!

 

Dazu zuckt ihr Kopf ständig von einer zur anderen Seite, während sich ihre Haube wechselseitig aufrichtet und wieder absenkt. Häufig erwische ich mich in solch einer Situation dabei, dass ich nach einem großen Tannenzapfen Ausschau halte, mit dem ich sie vielleicht bewerfen könnte – damit sie endlich beim Thema bliebe und meinem Leiden ein Ende bereitet würde.

 

Jedenfalls erzählte sie mir – glaube ich zumindest – dass sie die kleinen Blaumeisen im Süden des Tals gesehen habe. Da man den Schilderungen Robitits nicht unbedingt blind glauben schenken darf, sie verwechselt auch schon mal das eine oder das andere, beschloss ich zuerst bei der Kastanie vorbeizuschauen und mit den anderen dort lebenden Bewohnern zu sprechen. Zudem war Schnuddel, oder Stechbert von Schnuddel wie er ja genau hieß, mit den Blaumeisen eng befreundet und konnte mir eventuell näheres über deren Aufenthaltsort sagen.

 

Während ich so nachdachte, erreichte ich die Kastanie. Die Sonne sank bereits hinter dem Wolkenschnabelgebirge zur nächtlichen Ruhe, welches in einiger Entfernung hoch in den Himmel aufragte. Es würde jedoch noch eine Weile dauern, bis sie mit dem Mond ihren Platz getauscht hätte.

 

Ich sah weder eine Spur der Blaumeisen, noch eine Feder von Schnuddel, weswegen ich in das Geäst empor flog, welches der Baum in alle Himmelsrichtungen ausstreckte. Dort herrschte ein reges Treiben und fast rechnete ich schon damit, dass Bürste und Kralle mit einem Blatt daraus herabgetrudelt kämen. Ihr wisst schon, wie vor ein paar Tagen, als sie das Blattgleiten erfanden, doch leider wurde ich diesbezüglich enttäuscht!

 

Da einige Vögel noch aßen, hockte ich mich kurz entschlossen dazu und nahm auch noch eine Kleinigkeit zu mir. Dazwischen fragte ich in die Runde, ob mir jemand etwas über den Verbleib der Jungvögel sagen konnte, aber außer vagen Vermutungen, war von ihnen nichts zu erfahren. So beschloss ich die Nacht in der Kastanie zu verbringen und hoffte, dass ich am nächsten Tag mehr Glück haben würde.

 

Wo wir gerade beim Thema sind: es ist schon spät und wir flöten besser an einem anderen Tag weiter miteinander – ich möchte hier nämlich niemanden stören. Deshalb federleichte Träume, Tralala und bis dann oder unter www.papolupatal.de .

 

F. Platsch

 

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